Geschichte der Beziehungen der fünf Grunddörfer

Geschichte der Beziehungen der fünf Grunddörfer

Der Raum um Esselbach war von jeher eine Grenzregion. Hier trafen die Wertheimer und die Rienecker Grafen mit ihren Rodungs- und Kolonisierungsmaßnahmen auf die Mainzer Kurfürsten und hier versuchte später auch das Hochstift Würzburg einen Happen vom Spessart zu bekommen.

All diese Herren verfügten im Mittelalter in den Grundorten über Grundbesitz und die zugehörigen Leute. Dabei war die Zugehörigkeit zur Herrschaft manchmal nur auf einen Hof oder den Teil eines Hofes beschränkt. Und noch komplizierter: ein Bauer konnte sogar mehrere Grundherren haben. Fast schon so etwas wie eine doppelte Staatsbürgerschaft heute.

Welche Mitspieler gab es bei uns?

Die Rienecker Grafen hatten ihre Leute in Esselbach und Oberndorf angesiedelt.

Die Wertheimer Grafen zählten Steinmark und Kredenbach zu ihrem Territorium und hatten zunächst auch größeren Grundbesitz und Leibeigene in Esselbach und Oberndorf.

Das Erzstift Mainz saß in Bischbrunn und hatte erheblichen Einfluss in Esselbach mit Oberndorf.

Das Hochstift Würzburg, der Staat der Würzburger Fürstbischöfe, verfügte zunächst nur über wenig Einfluss.

Die Rienecker fielen schon früh aus

Im Jahr 1333 starb die Rothenfelser Linie der Rienecker Grafen aus. Damit wurden die Einflüsse neu verteilt. Bis dahin hatten die Rienecker Grafen Esselbach als mainzisches Lehen. Nunmehr war der Ort auch weltlich den Mainzern unterstellt.

Die Würzburger schufen aus dem Erbe der Rienecker im 14. und 15. Jahrhundert das Amt Rothenfels, zu dem dann später auch Esselbach und Oberndorf gehörten.

Bischbrunn blieb unter Mainzer Einfluss, Steinmark und Kredenbach unter Wertheimer Oberhoheit.

Diese Aufteilung der Grundgemeinden unter würzburgische, mainzische und wertheimische Herrschaft sollte mehrere Jahrhunderte Bestand haben.

Die Löwensteiner übernahmen

1803 wurden auf französischen Druck die geistlichen Fürstentümer in Deutschland säkularisiert. Sie dienten denjenigen Fürstenhäusern als Entschädigung, die aufgrund der französischen Expansion linksrheinische Gebiete verloren hatten. Dazu zählten auch die beiden Linien Löwenstein-Wertheim. Die katholische Linie erhielt vom Hochstift Würzburg unter anderem das Amt Rothenfels mit Esselbach und dem nun schon selbstständigen Oberndorf. Die evangelische Linie hatte Steinmark und Kredenbach schon lange zuvor aus dem alten Erbe der Wertheimer erhalten.

Bischbrunn wechselte vom aufgelösten Kurmainz ins neue Fürstentum Aschaffenburg.

Die Grunddörfer werden bayrisch

Bei diesen Veränderungen sollte es jedoch nicht bleiben, denn schon drei Jahre später, im Jahre 1806, löste sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf und kleinere Fürstentümer gingen in größeren Staaten auf. Das traf auch die beiden Löwensteiner Staaten. Im Mainviereck kamen alle Dörfer zum neuen Großherzogtum Frankfurt, das den gesamten Spessart erfasste. Diese gehörten erstmals in ihrer Geschichte einem gemeinsamen Staat. Ende 1813 wurde auch dieses Staatsgebilde wieder aufgelöst und nach einem kurzen österreichischen Zwischenspiel kam das gesamte Mainviereck und mit ihm die fünf Grunddörfer im Jahr 1814 zu Bayern.

Esselbach und Oberndorf – eine besondere Beziehung

Bis 1708 bildeten Esselbach und Oberndorf eine gemeinsame Gemeinde. Abwechselnd stellten die beiden Orte den Schultheißen. Selbst der Oberndorfer Ortsname erklärt sich aus der Beziehung und Lage der Ortschaft zu Esselbach: Oberndorf ist schlichtweg das obere Dorf von Esselbach.

Zu einer politischen Einheit zurückgefunden haben die Dörfer nach der Trennung im Jahr 1708 nicht mehr.

Die Gebietsreform veränderte das Bild

Auch in der bayerischen Gebietsreform der 1970er Jahre kamen Esselbach und Oberndorf nicht mehr zusammen, obwohl sie in Geschichte und Konfession miteinander mehr Gemeinsamkeiten haben als jeweils mit den anderen Grunddörfern Bischbrunn, Kredenbach und Steinmark.

So schloss sich im Jahr 1978 das einstmals würzburgische Oberndorf mit dem früheren Kurmainzer

Außenposten Bischbrunn zusammen, während das katholische und würzburgische Esselbach mit seinen protestantischen und früher wertheimischen Nachbarn Kredenbach und Steinmark zusammenging. In beiden Fällen wurden nicht nur uralte Dorf- und Gemeindegrenzen übersprungen, sondern auch frühere Landesgrenzen, die die Unterschiede seit Jahrhunderten zementiert hatten. Zwischen Esselbach, Kredenbach und Steinmark kamen zudem noch die früher unüberbrückbaren

Konfessionsgrenzen.

Erklärungsversuche für die Gebietsreform-Entscheidungen gibt es viele. So war die schließlich umgesetzte Lösung wohl für die zentraler gelegenen Orte Esselbach und Oberndorf am vorteilhaftesten. Esselbach konnte mit den beiden kleineren Orten Kredenbach und Steinmark eine Einheitsgemeinde bilden, der es Sitz und Namen gab. Alle gemeindlichen Einrichtungen wurden in Esselbach zentralisiert. Oberndorf wiederum hat der neuen Einheitsgemeinde Bischbrunn zwar nicht den Namen gegeben, erhielt jedoch Rathaus und Schule.

Möglicherweise verfügten Kredenbach und Bischbrunn damals auch über die durchsetzungsfähigeren

Kommunalpolitiker. In Kredenbach wohnte der spätere Esselbacher Bürgermeister Willi Hofmann und in Bischbrunn der spätere Bürgermeister der neuen Gemeinde Bischbrunn, Heinrich Krebs. Beide konnten sich bei den ersten Wahlen der Einheitsgemeinden im Jahr 1978 gegen Kandidaten der damals eigentlich dominanten Partei CSU aus Esselbach bzw. Oberndorf durchsetzen.

Kirchlich sind heute sind alle Grunddörfer in einer katholischen Pfarreiengemeinschaft

zusammengeschlossen, die evangelischen Einwohner alle werden von der Pfarrei Michelrieth betreut.